Historische Rebsorten der Tradition: die Cococciola
Heute, liebe Leserinnen und Leser, möchte ich – einmal mehr – über die Abruzzen sprechen, und zwar über eine weiße Rebsorte bzw. einen Weißwein mit einem sympathischen, ungewöhnlichen Namen: die „vielseitige“ Cococciola.
Es handelt sich um eine seltene autochthone Rebsorte aus den Abruzzen, deren Ursprung bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Sie wird jedoch seit sehr langer Zeit in der Region angebaut und in den letzten Jahren zunehmend aufgewertet. Ihr ideales Umfeld findet die Cococciola vor allem in der Provinz Chieti.
Bis vor einigen Jahren wurde sie hauptsächlich als „Verschnitttraube“ genutzt, um anderen Weinen Frische und Säure zu verleihen. Heute wird sie immer häufiger sortenrein vinifiziert, insbesondere in den IGT-Gebieten Colline Teatine und Terre di Chieti. Die deutliche und angenehme Säure dieser Traube hat einige Kellereien außerdem dazu inspiriert, sich an Schaumwein zu versuchen – sowohl nach dem Charmat-/Martinotti-Verfahren als auch als Metodo Classico, mit Grundweinen aus reiner Cococciola oder als Cuvée mit anderen lokalen Rebsorten, je nach Philosophie des jeweiligen Weinguts.
Im Glas zeigt sie sich in einem kräftigen Strohgelb. In der Nase wirken die Aromen fein und anziehend, leicht kräutrig, mit einer klaren, ausgeprägten Zitrusnote. Am Gaumen ist der Eindruck entschieden und geradlinig, getragen von einer angenehmen Salzigkeit, mit einem leicht mandeligen Finale.
Ein origineller, besonderer und einzigartiger Wein, den ich unbedingt zu probieren empfehle: nicht nur als Aperitif, sondern auch zu Fischvorspeisen, zu nicht scharfen und nicht zu aufwendigen ersten Gängen sowie hervorragend zu gedünstetem Meeresfisch.
Zum Schluss noch ein Hinweis: Der Reiz autochthoner Rebsorten liegt vor allem in ihrer Einzigartigkeit, die eng mit dem Terroir verbunden ist – was nicht automatisch „Exzellenz“ bedeutet. Einzigartigkeit kann auch sehr schlicht, aber angenehm sein… genau wie bei der Cococciola. Sie ist nicht dafür gemacht, lange Reife und große Entwicklung zu tragen, hat sich jedoch im Laufe der Jahre eine unbestreitbare Würde erarbeitet. Chapeau!




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