Die Perdonanza Celestiniana
In L’Aquila, der wunderschönen und geschichtsträchtigen Stadt der Abruzzen, wird jedes Jahr am 28. und 29. August der historische Ritus der Perdonanza erneuert. Diese religiöse Feier ist eng mit der Figur Coelestin V. verbunden: Unmittelbar nach seiner Krönung zum Papst gewährte er allen Gläubigen einen vollkommenen Ablass, die von den Vespern des 28. August bis zu den Vespern des 29. August gebeichtet hatten und die Basilika Santa Maria di Collemaggio andächtig besuchten.
Ursprünglich war der Ablass an die wohlhabenderen Bevölkerungsschichten gebunden, die im Austausch für beträchtliche Beiträge an die Kirche eine teilweise Sündenvergebung erhielten. In L’Aquila jedoch wurde die Indulgenz jährlich auch den Armen und Bedürftigen gewährt – eine damals keineswegs selbstverständliche Neuerung, die neben einer starken spirituellen Bedeutung auch politisches Gewicht hatte. Die erste feierliche Zeremonie geht auf das Jahr 1294 zurück, auch wenn sie gegen den Willen von Bonifatius VIII., dem damaligen Papst, stattfand.
Noch heute wird diese Zeremonie an den beiden Augusttagen wiederholt – mit dem eindrucksvollen „Corteo della Bolla“, der durch die schönen Straßen der Stadt zieht, um die Bulle der celestinischen Indulgenz feierlich vom Palazzo del Magistrato zur Basilika Santa Maria di Collemaggio zu begleiten. Es ist eine echte historische Nachstellung, bei der die zivilen und religiösen Autoritäten von Damen und Rittern in historischen Kostümen begleitet werden.
Die Bulle der Vergebung bleibt einen ganzen Tag lang in der Kirche ausgestellt. Am Abend des 29. August wird sie nach der Schließung der Heiligen Pforte (Porta Santa) in einem weiteren Umzug zurückgebracht und im Palazzo Civico verwahrt.
Eine wirklich stimmungsvolle religiöse Veranstaltung mit sehr alten Wurzeln, die auch heute noch von der Bevölkerung L’Aquilas – Gläubigen wie Nichtgläubigen – und von zahlreichen Besuchern mit großer Wärme aufgenommen wird und dadurch einen hohen sozialen Wert besitzt.




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