Der Brunnen der 99 Wasserspeier (Fontana delle 99 Cannelle)

Im historischen Zentrum von L’Aquila, direkt neben den Stadtmauern, öffnet sich ein großer, quadratischer Platz. An drei Seiten sind 93 steinerne Masken, alle unterschiedlich, sowie sechs weitere Wasserausläufe angeordnet: Das ist der berühmte Brunnen der 99 Cannelle. Ein wertvolles Monument von großem historischem und architektonischem Interesse, seit jeher von einem Hauch des Geheimnisvollen umgeben – und Ursprung vieler Legenden.

Das Werk begann 1272, als nach einem Entwurf des Architekten Tancredi da Pentima die Rückwand errichtet wurde, wie eine dort angebrachte Inschrift bezeugt. Und sofort entstand ein Rätsel: Niemand wusste je, welche Quelle die Wasserausläufe speist. Der Überlieferung nach wurde Tancredi da Pentima in der Mitte des Platzes begraben – zusammen mit dem Geheimnis der Quelle.

In den folgenden Jahrhunderten wurde der Brunnen vervollständigt. Im 15. Jahrhundert wurden die Wände mit einem Schachbrettmuster aus weißem und rosafarbenem Stein verkleidet. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand die linke Wand, die Alessandro Ciccarone zugeschrieben wird, während die rechte Wand aus dem 18. Jahrhundert stammt.

Der Tradition nach stellen die Masken die Herren der 99 Burgen dar, die die Stadt gründeten – so wie es auch 99 Plätze und 99 Kirchen geben soll. Tatsächlich stimmen die Zahlen nicht genau, und vermutlich wurden die sechs Ausläufe ohne Masken und ohne erkennbare Funktion hinzugefügt, um die Legende rund um die Zahl 99 zu nähren.

Auch über die Bedeutung der Masken ranken sich viele Geschichten: von Dämonen und Mönchen ist die Rede, von Zaubern, die die Stadt vor dem Bösen schützen, und von seltsamen Ereignissen in Vollmondnächten.

Sicher ist: Der Brunnen besitzt einen ganz eigenen Reiz – mit der langen Reihe steinerner Gesichter, jedes anders, die den Besucher regungslos zu fixieren scheinen.

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