Auf Entdeckungstour nach Santo Stefano di Sessanio – ein mittelalterliches Dorf mit großer Geschichte
„Vor acht Jahren kam ich fast zufällig in ein halb verlassenes Dorf in den Abruzzen, Santo Stefano di Sessanio. Ich hatte mich auf den unbefestigten Wegen rund um die Rocca di Calascio verirrt. Alles schien stehen geblieben zu sein wie in alter Zeit. Nur das Steindorf, das mit einer ländlichen Landschaft verschmolz, voller Spuren alter, inzwischen aufgegebener Praktiken. Es war wie ein Blitzschlag auf dem Weg nach Damaskus.“
So beschreibt Daniele Kihlgren seine Begegnung mit diesem eindrucksvollen mittelalterlichen Borgo, der mit seiner perfekt erhaltenen Siedlungsstruktur staunen lässt. Es ist, als würde man in die Vergangenheit eintauchen: Häuser und Straßen sind genauso geblieben wie in früheren Jahrhunderten – ein kleines Juwel, eingebettet in die Berge. Aus weißem Kalkstein gebaut, ist das Dorf ein Labyrinth aus engen Gassen, Bögen und Durchgängen, mit wertvollen architektonischen Spuren, die die Medici hinterlassen haben.
Santo Stefano di Sessanio hat sehr alte Ursprünge: Um das 12. Jahrhundert errichtet, gewann es rasch an Wohlstand – dank seiner günstigen Lage an der Kreuzung wichtiger Konsularstraßen und später durch die Nähe zum Tratturo Regio, der Hauptroute der Transhumanz zwischen L’Aquila und Foggia.
Seine Glanzzeit erlebte der Ort, als er von Francesco de’ Medici geführt wurde, der den Handel förderte, insbesondere den mit der „Carfagna“-Wolle, einer schwarzen Wolle, die von Militärs und Mönchen verwendet wurde. Die Medici hinterließen auch zahlreiche hochwertige architektonische Details: Bogenportale mit blumigen Reliefs, zweibogige Fenster, Balkonkonsole und fein bearbeitete Steinfassungen. Aus dem 14. Jahrhundert stammt der Turm, der „Medicea“ genannt wird, weil das Wappen der toskanischen Familie darauf erscheint. Der Turm wurde beim Erdbeben von 2009 zerstört und wird derzeit restauriert.
Als die Transhumanz aus Apulien endete, begann Santo Stefano di Sessanio sich zu entvölkern. Gerade das Ausbleiben städtebaulicher Eingriffe bewahrte den Ort jedoch vor Umgestaltungen und strukturellen Veränderungen. So haben Entvölkerung und Verarmung der Bergregion die Zeit gewissermaßen „eingefroren“ – und uns diesen einzigartigen, bezaubernden Ort hinterlassen.
Dank gezielter konservatorischer Entscheidungen der Verwaltungen und der Parkbehörde sowie des Engagements der wenigen gebliebenen jungen Menschen wurde das Dorf geschützt und schließlich vollständig restauriert. Hinzu kamen private Investitionen, allen voran jene von Daniele Kihlgren, die die Entwicklung des „Albergo diffuso“ ermöglichten und heute Gäste aus ganz Europa anziehen.




IT
EN
DE